Mirjam Pajakowski's artistic practice encompasses sculpture, installation, painting and drawing. Her work focuses on transience and the tension between beginning and end, birth and death of material and form—themes that become apparent in the various stages of development of her works. Her work primarily follows a transformative approach. A central role is played by casts of her own body, which are intended less as anatomically correct images and more as a metaphorical process of moulting. The peeling, scraping, and stripping away of »old skin« becomes a symbol of change, adaptation, and transition—between inside and outside, intimacy and visibility. Pajakowski deals with her own vulnerability and the search for a new balance. The body becomes a resonance chamber that reflects personal processes of change. Her work explores the subtle connections between body and environment—between humans and nature, between private memories and social phenomena. She continuously searches for an artistic language that touches on both personal and universal questions while dissolving the boundaries between these levels. Above all, her work revolves around a very elementary motif: the search for authenticity.

OF MIGHTY WINDS AND DOWNY FLAKES
Groupshow
Reformator, Düsseldorf, Germany
November — December 2025
OF MIGHTY WINDS AND DOWNY FLAKES
Excerpt from the exhibition text by Melissa Blau
Inwiefern sind Jahreszeiten und zyklische Vorstellungen noch bestimmend für das Naturverständnis der Gegenwart? Welche Rituale strukturieren nach wie vor unsere Welt? Im Zentrum von Of Mighty Winds and Downy Flakes steht die Auseinandersetzung mit dem Winter als symbolisch-metaphorischer Projektionsfläche, an der gesellschaftliche und ökologische Fragen deutlich werden. Als anthropologische Grundkonstante ist er Ausgangspunkt zahlreicher ritueller und zeremonieller Praktiken und repräsentiert die Struktur des Zyklischen, der Erneuerung und Wiederkehr gegen das Vorwärts einer getakteten, zählbaren, kontinuierlich verrinnenden Zeit, und ist so ein Element, das sich den Ordnungen des Rationalen widersetzt – in einer säkularen Gesellschaft trägt der Winter die Reste einer magischen Welt in sich. Es scheint, als habe er seine unmittelbare Bedrohlichkeit verloren – paradoxerweise in einer Gegenwart, in der die Natur so fragil geworden ist wie nie zuvor.
Gemein ist den ausgestellten Arbeiten eine gewisse Faszination für das Ursprüngliche und Unverstellte sowie für eine raue Sensibilität, welche sich mit anthropologischen Grundthemen verbindet.
Mirjam Pajakowski bezieht sich auf das Phänomen des Raureifs, der sich über die winterliche Land schaft legt und sie in eine pudrig-kristalline Struktur hüllt. Gips, Pigment und Tannennadeln befinden sich auf der Oberfläche einer Arbeit aus der Serie der Soft Sculptures und erzeugen eine Textur, die an natürliche Verfallsprozesse erinnert. Das Material Latex evoziert Assoziationen der Häutung, Transformation und Versehrtheit – die Natur wird nicht repräsentiert, sie vollzieht sich vielmehr in den Objekten selbst. In Silver Without Hold hat Pajakowski aus der Abformung ihrer eigenen Arme eine verschlungene Struktur geschaffen, in der das Körperliche als Konkretisierung des im Entstehen und Vergehen begriffenen Materiellen erscheint. Der Jahreszeiten-Edition The Language of Flowers liegt Walter de la Mares Gedicht Noon And Night Flower zugrunde. Die teils floral anmutenden Graphismen sind konkrete Textfragmente, die handschriftlich mit Eitempera und Bleistift aufs Papier gebracht wurden.
[...]



Untitled (Soft Sculpture), 2025

Untitled (Soft Sculpture), 2021/2025


Noon And Night Flower (No. 4 and No. 7 from 10), 2025

Silver Without Hold, 2025

FISHING IN GREEN, LIVING IN YELLOW
with Jungwoon Kim and Liza Dieckwisch
the pool, Düsseldorf, Germany
May — June 2025



Fishing In Green, Living In Yellow, 2025
Installation with aquarium, uranium, aquatic plants, pigment dust, and material remnants
FISHING IN GREEN, LIVING IN YELLOW
Excerpt from the exhibition text by Julia Katharina Thiemann
(Er-)Leuchtend
Die Suche nach Licht spielt für das Leben und strategische Verhalten der Pflanzen eine fundamentale Rolle. Denn über je mehr Licht eine Pflanze verfügt, desto – in menschlichen Kategorien gesagt – reicher ist sie. […] Wie der Mensch verwenden Pflanzen einen Großteil ihrer täglichen Kraftanstrengung darauf, ihren Erhalt sicherzustellen. Für Pflanzen heißt das, sich dem täglichen Kampf um Licht und dessen Nutzung zu stellen.¹
Bereits der Ausstellungstitel verweist auf das Sonnenlicht, das durch pflanzliche Photosynthese zu lebensspendender Energie umgewandelt wird. Fishing in Green, Living in Yellow: Auf der einen Seite die wundersame Welt von beispielsweise Algenblüten im Ozean und weiterer Flora mit der Energie, die Pflanzen durch Photosynthese aus Lichteinstrahlung gewinnen, und auf der anderen Seite der menschliche Umgang mit Pflanzen und der Natur allgemein in den Folgen des Anthropozäns, wie zunehmender Lichtverschmutzung. Diese Pole bilden ein Spannungsfeld, das auf poetische Weise im Ausstellungstitel anklingt. Das als lebensspendend assoziierte weiße oder gelbliche Licht steht hier neben dem grünlichen Licht des Fischens, der Ernährung, aber auch der Extraktion als menschlichem Verhalten mit teils weitreichenden Folgen für die Ökosysteme.
Die drei Künstlerinnen erkunden in ihren Arbeiten, wie wir das, was wir üblicherweise als >Natur< verstehen, formen – und wie diese Natur andersherum auch uns formt. In Zeiten, in denen alltäglich gebräuchliche Kategorien wie >natürlich< versus >künstlich< unter anderem durch technologische Neuerungen wie auch die zunehmende Digitalisierung in Veränderung begriffen sind, beginnen derartige Zuordnungen zu schwanken, was sich auch und gerade im künstlerischen Materialumgang, in den Konzepten und nicht zuletzt in der eigenen Verortung in der Welt niederschlägt. So verfolgen die drei Künstlerinnen auf je eigene Art verschiedene Grundfragen der Kreation von Kunst, die sie in der aktuellen Lebensrealität des Anthropozäns für sich neu ausloten.
[...]
Einschreibungen
Auf besondere Weise arbeitet auch Mirjam Pajakowski mit Licht als konstitutivem Teil ihrer zarten und zugleich kraftvollen poetischen Arbeiten. So besteht eine von der Decke befestigte »Soft Sculpture« aus mehreren Stofflagen sowie pigmentierten Latexstrukturen, die eine nach unten hin offene Form bilden und Assoziationen an Pilz- oder Blütenformen wecken mögen. In dem Latex befindet sich das Fluorescein Uranin im Farbton Acid Yellow 73, das der Skulptur unter der Schwarzlichtlampe einen fluoreszierenden Schimmer verleiht. Durch die sich immer wieder je nach Tageszeit und Wetter verändernde Situation der Sonneneinstrahlung und durch das Zusammenspiel von natürlichem und künstlichem (Schwarz-)Licht verändert sich die Materialanmutung. Über den Tag hinweg und im Laufe der Ausstellungszeit wird die Arbeit unterschiedlich erscheinen, so wie sich auch Pflanzen und Pilze je nach Sonneneinstrahlung anpassen und verändern. Daher war unter anderem der biolumineszente Pilz Omphalotus nidiformis eine Inspirationsquelle für diese Arbeit.
In Pajakowskis Diptychon »Broken Eden« (2025) spielt wiederum der Lichteinfall in dem durchscheinenden Latex eine entscheidende Rolle. Im Spiel mit den lichtdurchlässigen Materialien, die bei starkem Einfall von Sonnenlicht nahezu transparent wirken können, erkundet Mirjam Pajakowski nicht nur Materialeigenschaften, sondern führt auch einen Bogen zu den Fähigkeiten von Pflanzen. Nicht zufällig sind Blüten und Stängel Teil der Arbeit. Die eingearbeiteten Blumen hat die Künstlerin vor ihrer Weiterverarbeitung mit einem Hammer zertrümmert – auch das eine symbolische Geste. Inspiration der Arbeit ist unter anderem der Kurzfilm »The Garden of Earthly Delights« von Stan Brakhage (1933–2003) von 1981, der sich wiederum auf das von 1503 bis 1515 geschaffene Triptychon »Der Garten der Lüste« von Hieronymus Bosch (um 1450–1516) bezieht. Brakhages Film besteht aus in schneller Folge collagierten einzelnen Filmstills, die Direktbelichtungen mit Pflanzen zeigen. Der experimentelle 16-mm-Kurzfilm präsentiert Teile montaner Pflanzen, wobei immer wieder teilweise lichtdurchlässige Blattstrukturen zu sehen sind – was wiederum Pajakowski zu ihrer Arbeit inspirierte und den Bogen zu Pflanzen, Licht sowie Photosynthese schlägt.
In der Papierarbeit »In A Garden« sind Fragmente des gleichnamigen Gedichts der britischen Poetin Elizabeth Jennings (1926–2001) mit Bleistift, Stoffresten und Eitempera in die Oberfläche eingearbeitet. Jennings setzt sich mit dem Garten als Metapher für ein erhofftes Eden auseinander, um das sich ein Gärtner auf eine Weise kümmert, durch die das Paradies einer Ordnung weicht. Das Gedicht endet mit der dramatischen Zeile: »Sickness for Eden was so strong.« Von dieser Sehnsucht nach dem Garten Eden als paradiesischem Wunschterritorium handeln menschliches Verhalten wie auch Kunst und Kultur seit Jahrhunderten, und doch sehen wir uns gerade in den vergangenen Jahrzehnten immer größerer Zerstörung gegenüber, die sich nicht zuletzt in der Zertrümmerung der Blüten bei Mirjam Pajakowski spiegeln mag. Ein Spannungsfeld, das sich ebenso wie die Dichotomien des >Natürlichen< versus >Künstlichen< durch die Ausstellung zieht.
Eine der beiden zur Ausstellung in the pool entstandenen Editionen von Mirjam Pajakowski bezieht sich ebenfalls auf ein Gedicht. So interpretiert sie auf verschiedenen Papierböden einzelne Zeilen, Wörter und Eindrücke des Gedichts »Noon and Night Flower« des britischen Autors Walter de la Mare (1873–1956) in ihrer gleichnamigen Edition. Wie unterscheiden sich Mittags- von Nachtblütlern? Wie nutzen sie die Lichtquelle zu den gegensätzlichen Tages- und Nachtstunden? Botanische, wissenschaftliche wie insbesondere auch poetische Überlegungen finden Eingang in die Material-, Sprach- und Wortspiele Pajakowskis, um Atmosphären im Raum zu kreieren.
[...]
¹ Stefano Mancuso; Alessandra Viola: Die Intelligenz der Pflanzen. Kunstmann Antje Verlag, München 2015, S. 51



Broken Eden, 2025
Diptych made of latex, pigment, gauze, and plant remains

Not yet titled (_soft sculpture), 2025

In A Garden, 2025
Text fragments on paper | Egg tempera, pencil, fabric, paper and light
TRANSVERSE RIDE
Nilsson, Düsseldorf, Germany
July 2024

Untitled (Souvenir II), 2024


I wish... (Drier than Mojave), 2024


River, 2024


Untitled (Souvenir II), 2024
